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Wohlfühlfaktor Homeoffice

Was waren das für Zeiten, in denen Millionen von Deutschen gewöhnlich frühmorgens Bahnhöfe und Straßen bevölkerten, um ins Büro zu kommen. Die Pandemie hat den morgendlichen Verkehr gehörig reduziert. Denn seit nunmehr knapp zwei Jahren arbeiten Milliarden von Menschen weltweit in den eigenen vier Wänden. Und gleichwohl am Ende des langen Pandemie-Tunnels Licht zu sehen ist, wird die Arbeitswelt nie wieder dieselbe sein. Was vor dieser Zeit in manchen Unternehmen noch als neumodisches, mitunter auch argwöhnisch beäugtes Privileg galt, ist zur Normalität geworden. Doch wie empfinden die Menschen die Arbeit in den eigenen vier Wänden? Mit dieser Frage hat sich das global agierende Zertifizierungsunternehmen WiredScore ausführlich befasst. Im Rahmen einer repräsentativ angelegten Untersuchung im Oktober letzten Jahres wurden über 8.000 Arbeitnehmer und Studenten in verschiedenen europäischen Ländern zu ihren Erfahrungen bei der Arbeit im Homeoffice befragt. In Deutschland nahmen 1.001 Erwachsene an der Studie teil.

Die Ergebnisse der Befragung, die im Ländervergleich zu ähnlichen Resultaten führte, lassen sich auf folgende Erkenntnisse verdichten: Die in der Pandemie propagierte Arbeit in den eigenen vier Wänden steigert sowohl das Wohlbefinden als auch die Produktivität. Remote zu arbeiten, wird stärker akzeptiert. Gleichzeitig kann eine schlechte Internetverbindung im Homeoffice zur echten Belastung werden. Darüber hinaus führt der technische Mehraufwand im Homeoffice zu einem Umdenken hinsichtlich der Frage, wer die Kosten einer verbesserten Konnektivität zu tragen hat. Immerhin musste rund jeder fünfte Deutsche im Homeoffice während der Pandemie weiteres Zubehör kaufen, um die Internetverbindung zu verbessern. 21 Prozent der Befragten haben in dieser Zeit ihr mobiles Datenpaket erhöht. Rund jeder zweite befragte Deutsche (52%) fühlt sich im Homeoffice am produktivsten – ein Ergebnis, das in ähnlicher Form auch andere wissenschaftliche Studien aus Deutschland bestätigen. (TU Darmstadt: Studie „Homeoffice im Interessenkonflikt“, 2021) Die Leistungsfähigkeit in den eigenen vier Wänden ist im Lauf der Pandemie also offensichtlich gestiegen. Vor Corona lag der Wert noch bei 33% und damit deutlich niedriger. Schätzten knapp die Hälfte (47%) der Menschen ihre Produktivität im Büro oder an der Uni im Vergleich zum Homeoffice vor der Pandemie noch als höher ein, so ist dieser Meinung mittlerweile nur noch jeder Dritte (29%). Doch das Homeoffice hat auch seine Schattenseiten: Eine schlechte Internetverbindung sorgt bei den meisten für Anspannung. Die deutliche Mehrheit (66%) der Studienteilnehmer gab an, dass sie ein schwaches Internet während der Arbeit im eigenen Büro stresst. Rund ein Drittel (33%) war aufgrund von Konnektivitätsproblemen tatsächlich belastet; fast jeder Vierte (24%) gab an, dass er dadurch schon einmal ein Meeting verpasst habe.

Wunsch nach messbarer Konnektivität von Gebäuden zeichnet sich deutlich ab

Um derlei Ärger zu vermeiden, haben deutsche Angestellte und Studenten Geld investiert: Ein leistungsstarker Internetanschluss ist ihnen durchschnittlich pro Monat rund 35 Euro wert. Knapp ein Fünftel von ihnen (18%) greift dafür mit monatlich 41 bis 50 Euro sogar noch tiefer in die eigene Tasche. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass jeder zweite Deutsche der Meinung ist, die Arbeitgeber müssten sich an den Internetkosten beteiligen. Im europäischen Vergleich lag die

Zustimmung zu dieser Forderung mit 57% sogar noch etwas höher als hierzulande. Dies macht deutlich, dass die Pandemie die Grenzen der Verantwortung für eine verbesserte Konnektivität verwischt hat.

An diesem Punkt sind jedoch nicht nur Arbeitgeber und Vermieter beziehungsweise Projektentwickler gefordert. Letztendlich muss sich die gesamte Immobilienbranche engagieren, um die digitale Infrastruktur aller Gebäude zu verbessern. Ein Ansatz in diese Richtung könnte darin bestehen, die Konnektivität von Gebäuden messbar und vor allem untereinander vergleichbar zu machen – und dies idealerweise länderübergreifend. Der Wunsch nach mehr Transparenz hat die Studie eindeutig bestätigt. So war zwar der überwiegende Teil der Befragten (73%) mit der Qualität ihrer eigenen Internetverbindung zu Hause zufrieden. Dennoch fänden es drei Viertel (76%) aller remote Arbeitenden und Studierenden gut, die Konnektivität eines Gebäudes testen zu können, bevor sie einen Mietvertrag abschließen. Mehr als zwei Drittel (70%) würden ein weltweit standardisiertes System zum Nachweis der Konnektivität begrüßen. Und gut drei Viertel (77%) fänden eine Benchmark hilfreich, um die Konnektivität eines Gebäudes besser einschätzen zu können. Bis ein solches Maß an Transparenz in Deutschland zur Norm wird, dürften jedoch noch einige Jahre vergehen.

Sebastian Kohts

Sebastian Kohts, Country Director DACH bei WiredScore:

Autor Sebastian Kohts ist Geschäftsführer von WiredScore und für die Entwicklung des Unternehmens in der DACH-Region verantwortlich.

Bevor er 2017 zum Unternehmen stieß, arbeitete er mehrere Jahre als Berater bei Ernst & Young Real Estate.

Der studierte Immobilienökonom ist Chartered Surveyor und hält einen Master of Science in Management der Bauhaus-Universität in Weimar.

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