Fliegendes 5G-Netz: Die Lehre aus der Ahrtal-Flut
Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist Kommunikation im Krisenfall kein Nebenthema mehr. Das Forschungsprojekt AMADEUS zeigt eine drohnenbasierte 5G-Lösung, die Einsatzkräften ein eigenes Breitbandnetz liefern soll, wenn Straßen, Strom und Funkinfrastruktur beschädigt sind. Die Technik wäre kein Ersatz für Warnung, Evakuierung und funktionierende Einsatzleitung, könnte aber ein Problem abmildern, das 2021 besonders sichtbar wurde: fehlende Übersicht in den ersten Stunden.
Ausfall von Mobilfunk und Infrastruktur im Ahrtal
Als im Juli 2021 Wasser, Geröll und Trümmer durch das Ahrtal strömten, brach nicht nur bauliche Infrastruktur weg. Auch Kommunikation wurde zum Problem. Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört, mehr als 180 Menschen starben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In Teilen der betroffenen Gebiete fielen Mobilfunk- und Festnetzverbindungen aus oder waren nur eingeschränkt nutzbar. Für Einsatzkräfte bedeutete das weniger Rückmeldungen aus den Orten, weniger belastbare Lagebilder und eine schwierigere Koordination.
AMADEUS testet drohnenbasiertes 5G-Breitbandnetz
Genau an dieser Stelle setzt AMADEUS an. Das Projektkonsortium um die TH Wildau und Fraunhofer FOKUS hat auf dem Flugplatz Schönhagen in Brandenburg eine Schwerlastdrohne mit einer mobilen 5G-Box erprobt. Sie soll ein eigenes Breitbandnetz in einem Schadensgebiet aufbauen, unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur am Boden. Über dieses Netz lassen sich nicht nur Sprache und einfache Daten übertragen. Aufklärungsdrohnen können Livebilder liefern, 2D- und 3D-Karten können an eine Einsatzzentrale gesendet werden, Roboter lassen sich aus sicherer Entfernung steuern.
Schnelle Lagebilder für Feuerwehr, Rettungsdienst und THW
Für ein Szenario wie das Ahrtal ist das technisch relevant. In engen Tälern, bei zerstörten Zufahrten und unklaren Schadenslagen zählt nicht nur, ob Helfer miteinander sprechen können. Entscheidend ist auch, ob eine Einsatzleitung schnell erkennt, wo Menschen eingeschlossen sind, welche Brücken nicht mehr befahrbar sind, wo Stromleitungen, Gasleitungen oder Trümmer zusätzliche Gefahren schaffen und welche Wege überhaupt noch offen sind. Ein fliegendes 5G-Netz könnte ein solches Lagebild schneller herstellen, wenn Masten, Leitungen oder Vermittlungstechnik am Boden beschädigt sind.
Mobile 5G-Box mit Satellitenanbindung
Die 5G-Box von AMADEUS wiegt nach Angaben von Fraunhofer FOKUS 18 Kilogramm. Sie enthält zentrale Komponenten eines mobilen Kommunikationsnetzes, darunter Rechnertechnik, Funkzelle, Antennen und eine Satellitenanbindung. Die Daten können damit zumindest teilweise vor Ort verarbeitet werden. Bei der Demonstration wurde über das Netz ein Roboter ferngesteuert, der in gefährlichen Bereichen zur Personensuche eingesetzt werden könnte. Gleichzeitig lieferte eine Aufklärungsdrohne Videodaten in Echtzeit.
Grenzen der 5G-Drohnen im Katastrophenschutz
Das ist mehr als eine technische Spielerei, aber auch weniger als eine fertige Antwort auf alle Schwächen des Katastrophenschutzes. Ein solches System kann keine rechtzeitige Warnung ersetzen. Es entscheidet nicht, wann evakuiert wird. Es löst keine Zuständigkeitsprobleme zwischen Kommune, Kreis, Land und Bund. Und es hilft nur, wenn es verfügbar ist, wenn Personal damit umgehen kann, wenn Flugbedingungen und Genehmigungen passen und wenn die Technik in bestehende Einsatzabläufe eingebunden ist.
Vorbereitung entscheidet über den Nutzen im Ernstfall
Gerade deshalb ist die Verbindung zur Ahrtal-Flut wichtig. Die Katastrophe hat gezeigt, dass Bevölkerungsschutz nicht erst im Ereignis improvisiert werden darf. Technik wie AMADEUS muss vorher beschafft, geübt, in Alarmpläne eingetragen und mit Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, Leitstellen und Verwaltung verzahnt werden. Sonst bleibt ausgerechnet im Ernstfall unklar, wer das System anfordert, wer es betreibt und welche Daten an welcher Stelle zusammenlaufen.
Temporäres Breitbandnetz für die ersten Stunden
Für Regionen mit engen Tälern, zerstörungsanfälligen Zufahrten und begrenzten Ausweichrouten ist die Frage nicht theoretisch. Starkregen kann Einsatzlagen schnell unübersichtlich machen. Ein temporäres Breitbandnetz aus der Luft wäre dann kein Prestigeprojekt, sondern ein Werkzeug für die ersten Stunden: sehen, funken, steuern, priorisieren.
Die zentrale Lehre aus dem Ahrtal
Die Lehre aus dem Ahrtal besteht deshalb nicht darin, dass mehr Drohnen die Probleme des Katastrophenschutzes lösen. Sie besteht darin, dass Kommunikation auch dann funktionieren muss, wenn das Normale nicht mehr funktioniert.

