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Big Data, Smart Data, Simulation und Co. – Zukunftstechnologien auch für KMU

Zukunftstechnologien haben in den Alltag kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) noch viel zu selten Einzug gehalten. Welches Potential die Unternehmen dadurch verschenken, woran es hapert und wie sie schnellstmöglich „die Kurve kriegen“, weiß Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer der Sicos BW GmbH. Sein Erfahrungsschatz mit Sicos BW: Mehr als zehn Jahre KMU-Beratung rund um die Themen High Performance Computing und Data Analytics.

INTERVIEW

Redaktion ingenieurmagazin: Zukunftsträchtige Technologien wie Simulationen/Berechnungen, Big Data und Smart Data gehören für große Unternehmen längst zum Alltag. Sie unterstützen in diesen Bereichen speziell kleine und mittlere Unternehmen, sogenannte KMU. Welche Vorteile können KMU aus Simulationen, Big Data und Smart Data ziehen? Bitte erläutern Sie uns zu Beginn die Begriffe Big Data und Smart Data: Was steckt dahinter?

Andreas Wierse: Wie der Name schon sagt, geht es bei Big Data um große Datenmengen, oft im Umfang von vielen Tera-, Peta- oder sogar Exabytes, deren Verarbeitung das Potential von SQL-Datenbanken sprengt. Die Menge der Daten ist allerdings nur eines der sogenannten „4 Vs“, die diesen Begriff charakterisieren (in diesem Fall V für Volume); es müssen auch nicht immer Terabyte sein. Die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung, Velocity, die große Bandbreite der Datentypen und -quellen, Variety, und die Vertrauenswürdigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten, Veracity, spielen gleichermaßen eine Rolle. Richtig aufbereitet lassen sich entscheidungsrelevante Informationen herausfiltern, Wettbewerbsvorteile generieren und Einsparpotenziale realisieren; vor allem große Unternehmen nutzen diese Möglichkeit längst für sich. Bei Smart Data geht es dagegen weniger um die Masse der Daten als um den wertvollen Inhalt oder um das Begreifen der Daten in möglichst kurzer Zeit. Sprich, Smart Data-Anwendungen bearbeiten große Datenmengen direkt im Speicher, beziehen weitere semantische Informationen wie Erfahrungswerte von Mechanikern, Wetter, politische oder gesellschaftliche Ereignisse und ähnliches mit ein und liefern so schnell hilfreiche und konkrete Prognosen. Und diese anwendungsorientierte Perspektive ermöglicht auch KMU eine attraktive Verwertung von Massendaten – und eröffnet ihnen die entsprechenden Wettbewerbsvorteile in Form von Zeit- und Kostenersparnissen. Letzteres gilt gleichermaßen für den Einsatz von Simulationstechnologien. Mit ihrer Hilfe können beispielsweise Produktentwickler physikalische Eigenschaften wie Temperatur, Geschwindigkeit, Druck oder Verformung am Computer simulieren und dadurch Prototypen bis hin zur Marktreife zügiger und qualitativ hochwertiger entwickeln.

Big Data, Smart Data, Simulation und Co.
Daten – es kommt nicht allein auf die Masse an. Bildquelle: KIT

Redaktion ingenieurmagazin: Wieso nutzen KMU diese Technologien nicht wie große Unternehmen, woran hapert es?

Andreas Wierse: In beiden Fällen, also im Bereich der Smart-Data- wie auch der Simulationstechnologien, mangelt es KMU meist an den notwendigen Kapazitäten. Zum einen verfügen sie selten über die erforderlichen technischen Ressourcen. So sind Simulationen bei vielen Anwendungen beispielsweise sehr komplex und erzeugen einen hohen Rechenaufwand. Entsprechend leistungsfähige Computer oder gar Rechenzentren inklusive Supercomputer sind bei KMU aber selten zu finden. Zum anderen fehlt es KMU in der Regel am nötigen technischen Know-how, um die Technologien erfolgreich einzusetzen. Das geht oft schon bei der primären Einschätzung los, welche Technologien für das eigene Unternehmen warum sinnvoll sind.

Redaktion ingenieurmagazin: Wie können kleine und mittlere Unternehmen einen Zugang in die Welt der Zukunftstechnologien finden und diese dann auch sinnvoll einsetzen?

Andreas Wierse: Mit den richtigen Partnern geht das meist leichter als gedacht. In allen Bereichen der Zukunftstechnologien gibt es mittlerweile zahlreiche und speziell auf KMU zugeschnittene Hilfsangebote, die alle Gesichtspunkte, darunter auch die finanziellen, abdecken. KMU, die nicht wissen, welche der potentiellen Partner und Förderprogramme in diesem Angebotsdschungel die für sie passenden sind, können sich gerne an uns wenden. Wir helfen gerne bei einer sinnvollen und zielgerichteten Auswahl.

Redaktion ingenieurmagazin: Wie sieht die Unterstützung Ihres Unternehmens für KMU im Einzelnen aus? Können Sie ein konkretes Beispiel geben?

Andreas Wierse: Ein anschauliches Beispiel liefert unser Smart Data Solution Center Baden-Württemberg, kurz SDSC-BW. Mit finanzieller Unterstützung durch das Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst berät es KMU schon seit mehreren Jahren neutral und unabhängig rund um Smart-Data-Technologien. Besonders interessant ist hierbei die sogenannte kostenlose Potentialanalyse. Sie ermöglicht es KMU, im Kontext ihrer eigenen Daten erste Smart-Data-Technologien kennenzulernen und zu beurteilen, wie sie sich auch in ihrem Unternehmensumfeld sinnvoll einsetzen lassen. Schon zahlreiche KMU haben so einen ersten Einblick in die Welt der Datenanalysen erhalten und gewinnbringende Projekte um- und dann auch fortgesetzt.
Im Bereich der Simulationstechnologien schaffen wir beispielsweise den direkten Draht zum HLRS, dem Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart. Es bietet seine Rechnerkapazitäten auch für KMU zu attraktiven und rein nutzungsbasierten Preisen an und unterstützt sie bei der Umsetzung von Projekten.

Big Data, Smart Data, Simulation und Co.
ForHLR II Petaflops-Supercomputer am KIT. Bildquelle: KIT

Redaktion ingenieurmagazin: Sie sagten, dass es KMU im Bereich der Zukunftstechnologien oft an internem Know-how mangelt. Haben Sie Tipps, wie sie das notwendige Wissen aufbauen können?

Andreas Wierse: Zum einen sollten KMU bei der Einstellung neuer Mitarbeiter auf entsprechende Qualifikationen achten. Viele Bewerber bringen inzwischen Expertise aus der Welt der Zukunftstechnologien mit, sei es aus entsprechenden Bestandteilen ihres Studiums oder gar aus eigenen Studiengängen. Zum anderen existieren inzwischen zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, die beim Auf- und Ausbau des internen Know-hows helfen können. Mit der Supercomputing-Akademie, der Data-Akademie aus unserem Projekt Data Literacy und Data Science für den Mittelstand, kurz DLDS, sowie Digital Mountains ist allein Sicos BW aktuell an drei erfolgreichen KMU-Weiterbildungsprogrammen beteiligt. Die Supercomputing-Akademie ermöglicht es Fachkräften, ihre Kenntnisse rund um Anwendung, Management oder Programmierung in der Simulation auf Höchstleistungsrechnern auf- oder auszubauen. Mit dem Projekt DLDS stärken neun baden-württembergische Hochschulen die Kompetenzen kleiner und mittlerer Unternehmen bei der Erfassung und Auswertung massiver Datenmengen; im Rahmen der darin entstandenen Data-Akademie gibt es zahlreiche praxisbezogene Schulungs- und Qualifizierungsangebote in unterschiedlichen Formaten. Das Projekt Digital Mountains begleitet Gründer und Entscheider aus Industrie, Gesundheits-, Bildungs-, sowie Feuerwehr- und Rettungswesen bei der digitalen Transformation ihres Unternehmens oder Bereiches. Viele Bestandteile dieser Fortbildungsangebote sind kostenlos.

Redaktion ingenieurmagazin: Wie sieht die Zukunftsgestaltung bei Sicos BW aus? Werden Sie Ihr Beratungsangebot weiter ausbauen? Und wenn ja, worauf können KMU hoffen?

Andreas Wierse: Unsere Arbeit ist stetig im Fluss. Durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit immer neuen KMU sehen wir genau, wo deren Bedürfnisse liegen und welche Baustellen es gibt; und das branchenübergreifend. Unser Angebot passen wir dementsprechend an und bauen es aus. Aktuell sehen wir beispielsweise einen steigenden Beratungsbedarf, was die Auswahl und Nutzung von Förderprogrammen betrifft. Hier haben wir unsere Expertise entsprechend verstärkt. Darüber hinaus wird es im Bereich der Solution Center bald Nachwuchs geben. Aktuell bereiten wir ein Medical Solution Center vor. Und generell arbeiten wir natürlich immer an unserem Partnernetzwerk. Zu diesem zählen mittlerweile mehr als 50 Mitglieder, unter ihnen Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen aus Baden-Württemberg und Deutschland, aber auch weit darüber hinaus. Unser Ziel ist ganz klar, für und mit KMU ein bundesweites dynamisches Experten-Netzwerk rund um Zukunftstechnologien aufzubauen, das alle Technologiebereiche und Fragestellungen abdeckt.


Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer der Sicos BW GmbH
Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer der Sicos BW GmbH

Autor: Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer der Sicos BW GmbH, verfügt über ein umfangreiches Know-how im Bereich Simulation und Höchstleistungssysteme sowie Big und Smart Data und hat langjährige Erfahrung in der Beratung von Großunternehmen und KMU.

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