PV-Anlage mit 630 kWp zur Unterstützung der Wasserstoffentwicklung
Am Enapter-Standort im nordrhein-westfälischen Saerbeck kommt seit 2025 eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 630 Kilowattpeak (kWp) zum Einsatz, die maßgeblich zur Eigenstromversorgung des Unternehmens beiträgt. Die PV-Anlage wurde durch den Energiedienstleister Köster Energie projektiert und installiert. Sie unterstützt den energieintensiven Test- und Entwicklungsbetrieb der AEM-Elektrolyseure und dient zugleich der Absicherung gegen temporäre Netzausfälle.

Die Enapter AG, ein Anbieter von Elektrolyse-Systemen mit Hauptsitz im italienischen Pisa, ist auf die Entwicklung und Fertigung modularer AEM-Elektrolyseure (Anion Exchange Membrane) spezialisiert. Diese Systeme erzeugen Wasserstoff mit einem Reinheitsgrad von bis zu 99,9 % bei einem Betriebsdruck von rund 35 bar. Am Standort Saerbeck konzentriert sich das Unternehmen auf Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich kleiner bis mittelgroßer Anlagenlösungen. Diese kommen unter anderem in Pilotprojekten der chemischen Industrie sowie in universitären Einrichtungen zum Einsatz.
Ein zentrales Auswahlkriterium für die Ansiedlung in Saerbeck war die direkte Anbindung an den benachbarten Bioenergiepark. Der dort erzeugte Strom aus Windkraft, Photovoltaik und Biogasanlagen ermöglicht eine vollständig regenerative Versorgung. Aufgrund des hohen Strombedarfs im Testbetrieb entschloss sich Enapter jedoch zusätzlich zur Eigenstromproduktion per PV-Anlage auf den eigenen Gebäudedächern.

Technische Auslegung der PV-Anlage
Die im ersten Bauabschnitt umgesetzte Anlage besteht aus 1.442 PV-Modulen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.815 Quadratmetern. Die erwartete jährliche Stromproduktion liegt bei über 600.000 Kilowattstunden, was rund 50 % des Strombedarfs am Standort deckt. Damit wird eine jährliche CO₂-Einsparung von rund 425 Tonnen prognostiziert – basierend auf dem Vergleich mit dem deutschen Strommix.
Zur Minimierung der Leitungsverluste wurden die Wechselrichter dezentral in sogenannten PV-Sheltern direkt auf dem Dach montiert. Diese Architektur reduziert die benötigten Gleichstromleitungen erheblich. Der Wechselstrom wird über ein zentrales, hochbelastbares Kabel in das zentrale Schalt- und Verteilungssystem („Powerhouse“) eingespeist.

Ulf Köster, Geschäftsführer des verantwortlichen Dienstleisters, betont die technische Effizienz der Lösung: „Durch die dezentrale Wechselrichtermontage und die direkte Umwandlung auf dem Dach konnten die Installationskosten sowie elektrische Verluste deutlich reduziert werden. Die Anlage ist wartungsarm und auf Langzeitbetrieb ausgelegt.“

Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit
Nach Unternehmensangaben liegt die kalkulierte Amortisationszeit der Anlage bei etwa vier Jahren. Dies ist angesichts der volatilen Strompreise und des stetigen Energiebedarfs im Entwicklungsbetrieb ein relevanter wirtschaftlicher Faktor. Die Anlage trägt nicht nur zur Reduzierung der Betriebskosten bei, sondern erhöht auch die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern.

Ein zusätzlicher Aspekt ist die Erhöhung der Versorgungssicherheit. Im Bioenergiepark kommt es mehrmals pro Jahr zu geplanten Wartungsabschaltungen. Bisher wurden diese durch Dieselgeneratoren überbrückt – eine Lösung, die aus Sicht der Nachhaltigkeit und Betriebssicherheit nicht optimal ist. Enapter plant daher, stationäre Batteriespeicher zu integrieren, um den selbst erzeugten Strom auch netzunabhängig verfügbar zu machen. Die entsprechenden Speicherlösungen wurden bereits von Köster Energie konzipiert und sollen bis Ende 2026 umgesetzt werden.

Perspektiven für Ausbau und Integration
Die bestehende PV-Anlage ist als skalierbares System angelegt. Weitere Dachflächen auf dem Unternehmensgelände könnten mit zusätzlichen Modulen ausgestattet werden. Außerdem wird geprüft, ob eine eigene Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge errichtet werden kann – sowohl für Mitarbeitende als auch für Drittnutzer auf dem Gelände. Die dafür notwendigen Vorplanungen wurden bereits abgeschlossen und eine Umsetzung ist mittelfristig vorgesehen.
Das Projekt in Saerbeck zeigt exemplarisch, wie Photovoltaik wirtschaftlich tragfähig in die Energieversorgung von Forschungseinrichtungen und technologieorientierten Unternehmen integriert werden kann – insbesondere bei Anwendungen mit hohem Strombedarf und gleichzeitigem Anspruch auf Nachhaltigkeit und Autarkie.

