Zehn Jahre Energieatlas Rheinland-Pfalz
Als der Energieatlas Rheinland-Pfalz 2015 das Licht der digitalen Welt erblickte, war er in erster Linie als Nachschlagewerk für erneuerbare Energieanlagen gedacht. Zehn Jahre später ist aus dem einst überschaubaren Online-Tool ein umfassendes, interaktives Portal geworden, das Kommunen, Behörden, Wissenschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen bedient – und ihnen einen datenbasierten Blick auf den Zustand der Energiewende im Land gewährt.
Susan Fangerow, Leiterin des Referats Klimaschutzmonitoring der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, begleitet den Energieatlas seit den ersten Tagen. Mit einem Team aus Spezialisten für Datenanalyse, Geoinformatik und IT-Entwicklung sorgt sie dafür, dass aus trockenen Zahlen anschauliche Informationen werden. „Unsere Klimaziele sind ambitioniert: Bis 2030 soll der Stromverbrauch bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, bis 2040 streben wir Treibhausgasneutralität an“, erklärt Fangerow. Der Energieatlas helfe dabei, diese Ziele nicht nur im Blick zu behalten, sondern mit konkreten Maßnahmen anzusteuern.
Daten, Karten und Geschichten: Was der Energieatlas bietet
Heute umfasst das Portal weit mehr als nur Daten zu Windrädern und Photovoltaik-Anlagen. Es verknüpft Informationen zu Strom- und Wärmeversorgung, nachhaltiger Mobilität, Wasserstoffinfrastruktur und kommunalen Treibhausgas-Bilanzen. Karten zeigen, wo Energie verbraucht wird, wo Potenziale schlummern und welche Gemeinden bereits aktiv geworden sind. Ergänzt werden die Karten durch Praxisbeispiele – kleine Erfolgsgeschichten, die zeigen, wie Klimaschutz vor Ort funktionieren kann.
Gerade für Kommunen ist der Energieatlas ein nützliches Instrument. Statt sich selbst mühsam durch Datenwüsten zu kämpfen, erhalten sie aufbereitete und geprüfte Informationen, die sie für ihre Energie- und Klimaschutzkonzepte nutzen können. „Das spart Zeit und Ressourcen“, sagt Fangerow. Noch wichtiger: Die Daten schaffen eine gemeinsame Grundlage für politische Entscheidungen – auf lokaler wie auf Landesebene.
Vom Datenchaos zur verlässlichen Grundlage
Die Anfänge waren allerdings alles andere als einfach. Die größte Herausforderung? Die Daten. Unterschiedliche Quellen, uneinheitliche Formate, unklare Zuständigkeiten – es war, so Fangerow, ein langer Weg zur Standardisierung. Erst mit einer eigens entwickelten Methodik und viel technischem Know-how gelang es, belastbare und vergleichbare Informationen zu erzeugen. Unterstützung kam dabei nicht zuletzt aus anderen Bundesländern: „Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen war enorm wertvoll. Ohne diese Netzwerke wären viele Dinge schwieriger gewesen.“
Heute speist sich der Energieatlas aus einer Vielzahl fundierter Quellen. Das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur liefert Informationen zu Anlagenstandorten und -leistungen. Stadtwerke und Netzbetreiber stellen Verbrauchsdaten bereit, aufgeschlüsselt nach Sektoren wie Haushalte oder Industrie. Beim Thema Mobilität kommen Daten vom Kraftfahrt-Bundesamt und zur Ladeinfrastruktur erneut von der Bundesnetzagentur. Alle Informationen durchlaufen eine sorgfältige Prüfung, bevor sie online gehen.
Stetige Weiterentwicklung – mit Blick auf Praxis und Nutzer
Seit dem Start 2015 hat sich der Energieatlas kontinuierlich weiterentwickelt. 2018 etwa kam das Thema nachhaltige Mobilität hinzu, wenig später folgten Karten zu kommunalen Klimaschutzmaßnahmen und CO2-Bilanzen. Ein Meilenstein war 2025 mit der Integration des landesweiten Solarkatasters – einem Instrument, das Hauseigentümern, Planern und Kommunen gleichermaßen hilft, geeignete Flächen für Photovoltaik zu identifizieren.
Auch das Thema Wärme wurde ausgebaut: Neben Bedarfsdaten sind nun auch Informationen zu bestehenden Wärmenetzen abrufbar – ein Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung, die durch neue gesetzliche Vorgaben stark an Bedeutung gewinnt. Parallel dazu wurde das Portal nutzerfreundlicher gestaltet, Datenlücken geschlossen und ein kostenfreier Datenservice für Kommunen eingerichtet. So erhalten Städte und Gemeinden passgenaue Auswertungen für ihre Planungen.
Für wen der Energieatlas gedacht ist – und warum er wirkt
Der Energieatlas richtet sich nicht nur an Fachleute. Auch interessierte Bürger finden dort verständlich aufbereitete Informationen über den Fortschritt der Energiewende. Das erhöht die Transparenz – und stärkt die Akzeptanz, zum Beispiel für Wind- oder Solaranlagen vor der eigenen Haustür. Die Praxisbeispiele aus Kommunen liefern Inspiration, wie Klimaschutz konkret gelingen kann.
Forschungseinrichtungen nutzen die Daten ebenfalls – etwa für die Entwicklung digitaler Stadtmodelle. Für das Land Rheinland-Pfalz wiederum ist der Energieatlas ein unverzichtbares Werkzeug, um Fortschritte zu messen und Strategien anzupassen. Kurz: Er ist nicht nur Dokumentation, sondern Planungsgrundlage, Kommunikationsmittel und Ideenpool in einem.
Und das Klimaschutz-Dashboard?
Neben dem Energieatlas betreibt die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz noch ein zweites Portal: das Klimaschutz-Dashboard. Im Unterschied zum eher langfristig angelegten Energieatlas liefert das Dashboard unterjährige Daten zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen – ein Instrument für Monitoring und Controlling auf Landesebene. Beide Portale ergänzen sich, greifen ineinander und ermöglichen so einen umfassenden Blick auf die Energiewende in Rheinland-Pfalz.
Was vor zehn Jahren als digitales Pionierprojekt begann, ist heute ein Paradebeispiel für datenbasierten Klimaschutz. Der Energieatlas Rheinland-Pfalz zeigt, dass gute Daten nicht nur Zahlen sind – sondern Geschichten erzählen, Orientierung geben und den Wandel greifbar machen.

