Ein Kreuz für die Ewigkeit: Die Sagrada Família geht in die nächste Bauetappe
Barcelona kommt seinem architektonischen Vermächtnis ein großes Stück näher. An der Sagrada Família, diesem steinernen Manifest katalanischer Baukunst, hat der Aufbau des monumentalen Kreuzes auf dem zentralen Turm Jesu Christi einen entscheidenden Fortschritt gemacht. Am Morgen wurde der erste Querarm installiert – ausgerechnet auf der Seite der Geburtsfassade, die schon Gaudís Vision vom Anfang des Lebens erzählt.

Seit dem 30. Oktober geht es Schlag auf Schlag: Zunächst kam der untere Kreuzarm an seinen Platz, gefolgt vom Verbindungskern. Nun ragt der erste horizontale Arm aus der Turmmitte, bald wird auch sein Gegenstück in Richtung der Passionsfassade folgen. Die Arbeiten verlaufen nicht nur im Zeitplan, sondern auch mit sichtbarem Respekt vor der Komplexität dieser Bauikone.

Die Querarme selbst sind wahre Ingenieurkunstwerke. Mit ihrer doppelt verdrillten Geometrie wirken sie wie Skulpturen in Bewegung. Innen oktogonal, außen mit quadratischem Abschluss, messen sie jeweils 4,4 mal 4,5 mal 4,5 Meter und bringen rund 11,3 Tonnen auf die Waage. Was wie ein poetisches Spiel mit Formen anmutet, verlangt in Wahrheit millimetergenaue Planung und tonnenschwere Hebetechnik.

In luftiger Höhe – auf der 54 Meter hohen Montageplattform über dem Mittelschiff – werden in den kommenden Wochen die restlichen Kreuzarme vorbereitet. Fenster müssen eingebaut, Innenarbeiten abgeschlossen werden, bevor das große Finale beginnt: Die Anbringung auf über 170 Metern, wo die Silhouette des Turms Jesu Christi bald in den Himmel sticht.

Mit 172,5 Metern wird dieser Turm nicht nur der höchste der Basilika, sondern auch der höchste Kirchturm der Welt sein. Und natürlich ist es mehr als nur ein Baufortschritt. Es ist ein symbolischer Akt, denn die Fertigstellung soll 2026 erfolgen – pünktlich zum 100. Todestag von Antoni Gaudí. Ein Moment von fast biblischer Dimension für Barcelona, das seinem berühmtesten Architekten damit spät, aber umso eindrucksvoller die letzte Ehre erweist.

