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Ingenieurinnen: Diskriminierung im Job

Die aktuelle So arbeitet Deutschland-Studie von SThree zeigt: Mehr als die Hälfte der Ingenieurinnen (58 Prozent) in Deutschland wurde im Job schon diskriminiert – besonders erschreckend dabei: 18 Prozent der Frauen finden eine geschlechterspezifische Behandlung in Ordnung. Doch damit Diskriminierung im Job der Vergangenheit angehört, ist laut 76 Prozent der Befragten aus dem Ingenieurwesen vor allem das Management gefragt. Dies zeigen die Ergebnisse der siebten repräsentativen (siehe Anmerkung) So arbeitet Deutschland-Studie der Personalberatung SThree. Die Studie untersucht: Wie arbeiten Ingenieure und Ingenieurinnen in Deutschland heute – und was wünschen sie sich für morgen? Die Engineering-Branche spürt sowohl massive Auswirkungen des Fachkräftemangels als auch die Herausforderungen einer schnelllebigen, digitalen und komplexen Arbeitswelt – vor allem Quereinsteiger könnten hier laut Befragten für Entlastung sorgen.

Wenn Diskriminierung zum beruflichen Alltag gehört

Männer und Frauen sollten im Job gleichbehandelt werden – das finden 87 Prozent der Befragten aus der Ingenieur-Branche. Ein wünschenswerter Anspruch, dem die Realität jedoch nicht standhält. Denn mehr als die Hälfte der Frauen (58 Prozent) wurde schonmal diskriminiert. Das Erstaunliche daran ist: 18 Prozent der Ingenieurinnen halten es für gerechtfertigt, dass sie aufgrund ihres Geschlechts anders behandelt werden als der männliche Kollege. Dabei wirkt sich die Diskriminierung maßgeblich auf das (Arbeits-)Leben der Frauen aus, auf Benachteiligungen in Sachen Gehalt (39 Prozent), bei der Verteilung von Aufgaben und Projekten (32 Prozent) sowie bei der Beförderung auf Führungspositionen (22 Prozent).

Die Ergebnisse machen eines klar: Für viele Mitarbeiterinnen und Freelancerinnen aus dem Engineering-Bereich scheint Diskriminierung im Job an der Tagesordnung zu stehen – und damit von so mancher schon regelrecht akzeptiert worden zu sein. Es ist aber nicht nur dringend notwendig, dass Frauen für Gleichberechtigung einstehen und ihre männlichen Kollegen sie hierbei aktiv unterstützen – auch die Chefs sind gefragt. Gleichberechtigung muss von oben vorgelebt werden, das heißt auch von der Führungsebene aktiv umgesetzt werden. Dieser Aussage stimmen 76 Prozent der Befragten zu und fordern, dass Impulse für mehr Gleichberechtigung im Job von der Managementebene kommen. Zu den Top-3-Maßnahmen für mehr Chancengleichheit zählen: objektive Leistungsbewertungen (67 Prozent), eine entsprechende Unternehmenskultur, die Chancengleichheit fördert (58 Prozent) sowie flexible Arbeitstaggestaltung (52 Prozent).

Ingenieure spüren Folgen der schnelllebigen Arbeitswelt und des Fachkräftemangels

Ob Bau-, Anlagen- und Maschinenbau- oder Automobilbranche: In allen Bereichen fehlen Ingenieure. Und das hat massive Auswirkungen: Fehlendes Wissen (49 Prozent), verminderte Arbeitsqualität (44 Prozent) und ein schlechteres Betriebsklima (42 Prozent) sehen die Befragten als Auswirkungen des Fachkräftemangels. Als gewünschte Lösungsansätze gegen den Fachkräftemangel in der Engineering-Branche werden die Integration von Quereinsteigern (39 Prozent) und Fachkräften aus dem Ausland (38 Prozent) sowie ein attraktiveres Studienangebot (34 Prozent) gesehen. Zwar verändern sich durch die Corona-Pandemie die Verhältnisse gerade von einem bis dahin stark Bewerber-zentrierten Markt zugunsten der Arbeitgeber, sodass Arbeit- und Auftraggeber aktuell eine größere Auswahl an hochqualifizierten Mitarbeitern und Freelancern aus dem MINT-Bereich haben, den es so vor der Pandemie nicht gab. Fraglich ist hingegen, ob dieses Verhältnis langfristig aufrechterhalten werden kann, da bereits vor der Pandemie ein immenser Teil an MINT-Experten fehlte.

Zugleich spüren die Fachkräfte im Ingenieurwesen, dass ihre Arbeitswelt immer herausfordernder wird – sei es durch immer kürzere Produktlebenszyklen, steigenden Innovationsdruck oder digitalisierte Prozesse. Dies bestätigen auch die aktuellen Studienergebnisse: 42 Prozent der Befragten aus dem Ingenieurwesen sehen eine zunehmende Geschwindigkeit und 34 Prozent eine steigende Komplexität sowie mehr notwendige IT-Expertise als größte Herausforderung in ihrem Arbeitsumfeld. Um der schnelllebigen Arbeitswelt gerecht zu werden, sind Unternehmen, Angestellte und Freelancer gleichermaßen gefragt, sich stets weiterzubilden und auch den interdisziplinären Blick über den Tellerrand nicht zu scheuen.

Feierabend nach der Uhr – dabei sollte Leistung entscheiden

Den Feierabend sollte nicht die Uhrzeit, sondern laut 57 Prozent der Befragten aus dem Ingenieurwesen die Erledigung der täglichen To-Dos einläuten – doch in der Realität gibt nach wie vor für knapp die Hälfte (49 Prozent) die Uhrzeit das Ende des Arbeitstages an. Die Arbeitsstunden werden jedoch – trotz EuGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung im vergangenen Jahr – bei 40 Prozent der angestellten Ingenieure und Ingenieurinnen (noch) nicht erfasst. Laut Studie kann das auch in Zukunft so bleiben: 52 Prozent der Befragten wünschen sich Vertrauensarbeitszeit, denn dabei zählt laut 43 Prozent Leistung mehr als das Absitzen der Arbeitszeit.

Anmerkung: Hierfür wurde in Zusammenarbeit mit Kantar 1.990 Angestellte und Freelancer aus Deutschland befragt. In dieser vorliegenden So arbeitet Deutschland-Sonderedition „Fokus Ingenieurwesen“ werden die Ergebnisse von 772 Befragten (davon 297 Freelancer) aus dem Engineering-Sektor beleuchtet.