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Post-Corona: Gewerbe-Immobilien im freien Fall

Handelsunternehmen, Gastronomiebetriebe, Automobilkonzerne: die Liste an Unternehmen, die infolge der Corona-Krise in Schieflage geraten sind, ist lang – und lässt kaum eine Branche außen vor.

So bleibt auch die Immobilienwirtschaft nicht von den teils verheerenden Auswirkungen der Pandemie verschont. Kurzfristig waren Mietstundungen und -ausfälle in allen Assetklassen die Folge. Über die Langzeitauswirkungen auf den Sektor lassen sich bisweilen nur Vermutungen anstellen. Zunehmender Leerstand und sinkende Preise sind derzeit noch nicht zu beobachten, wohl aber steigende Vorsicht bei den Entscheidungsträgern. Welche Assetklassen sind noch krisensicher? Wen trifft die Rezession am härtesten? Und gehen manche Unternehmen sogar als Gewinner aus der Krise hervor?

Asset-Klassen unterschiedlich stark von der Corona-Krise betroffen

Während die Immobilienbranche im Allgemeinen hart von der Krise getroffen wird, kristallisieren sich die Gewinner und Verlierer derzeit immer klarer heraus. Um die Folgen für die konkreten Asset-Klassen besser einschätzen zu können, hat die Unternehmensberatung EY im März 2020 global eine Studie unter Entscheidungsträgern der Immobilienbranche durchgeführt. Die Ergebnisse geben einen ersten Hinweis darauf, wie sich die Asset-Klassen nun entwickeln werden.

Office: Der Lockdown hat eine Vielzahl an Unternehmen kurzfristig gezwungen, ihren Arbeitskräften Home-Office zu ermöglichen. Diese unfreiwillige Feldstudie hat vielen Entscheidern jedoch gezeigt, dass sie auch mit weniger Bürofläche auskommen – was zu eher negativen Prognosen für die Entwicklung der Asset-Klasse führt. Laut der EY-Umfrage erwarten 73 Prozent der Befragten sinkende Preise aufgrund stagnierender oder gar rückläufiger Nachfrage.

Retail: Gleiches gilt für Handelsimmobilien: aufgrund des Shutdowns und des stetig wachsenden Onlinemarkts liegt der Anteil derer, die von sinkenden Preisen ausgehen, bei 87 Prozent – 2019 ging die Mehrheit noch von konstanten Preisen aus. Laut HypZert gibt es aber auch innerhalb der Assetklasse große Unterschiede, wobei die Betroffenheit neben dem Betriebstyp vor allem vom Sortiment, der Verkaufsfläche und dem Standort abhängt. Der Lebensmitteleinzelhandel besitzt beispielsweise eine weit höhere Systemrelevanz und ist daher weniger stark betroffen als das Non-Food Segment.

Hotel: Das größte Sorgenkind ist derweil das Hotelsegment, in dem 95 Prozent der EY-Umfrageteilnehmer mit schwindenden Preisen sowie einem durch Herabstufung herbeigeführten Wertverlust der Immobilien rechnen. Doch die düsteren Prognosen gelten nicht für die gesamte Branche. Serviced Apartments und Longstay-Konzepte trotzen der Krise deutlich besser, insbesondere da die Konzepte im Vergleich zur traditionellen Hotel-Konkurrenz von wenig Kundenkontakt, eingeschränkten Serviceleistungen und einem höheren Digitalisierungsgrad profitieren. Ob auch der Investmentmarkt die Vorteile erkennt, die Serviced Apartments in Punkto Ausstattung, flexiblem Betrieb und klarem Business-Fokus bieten, bleibt abzuwarten.

Logistik: Logistikimmobilien kommen nach Meinung der Befragten am besten durch die Krise. Sie könnten kurzfristig vom steigenden Lieferverkehr profitieren, weshalb ein Drittel der Umfrageteilnehmer sogar steigende Preise in diesem Segment erwartet. Aber auch langfristig gehen Experten von weitreichenden Folgen innerhalb der Assetklasse aus, sie rechnen als Konsequenz der Krise mit einem Rückgang der globalen Just-in-time-Belieferung und dass Unternehmen wieder verstärkt eigene Lagerbestände aufbauen.

PropTechs als Profiteure der Corona-Pandemie

Unabhängig von der Assetklasse gibt es jedoch einen klaren Krisengewinner in der Immobilienbranche: PropTechs. Während Covid-19 ganze Industrien dazu veranlasst, die digitale Transformation ihrer Geschäftsprozesse zu beschleunigen, ist die Digitalisierung das Kerngeschäft dieser Unternehmen. Egal ob digitales Schließsystem, personalloses Hotelkonzept oder digitale Transaktion: Start-Ups wie Kiwi, Limehome und 21st Real Estate erfüllen die Bedürfnisse der „post-pandemischen“ Gesellschaft bereits jetzt.

Chancen für den Immobilienmarkt

Die Covid-19 Krise hat der Industrie einmal mehr aufgezeigt, dass kein Sektor krisenresistent ist. Vielmehr kommt es darauf an, sich stets den neuen Gegebenheiten anzupassen und auf veränderte Bedürfnisse einzugehen. Auch der Immobilienmarkt muss agiler und digitaler werden. Mit Mut zu Veränderung, digitalen Geschäftsmodellen und kompromissloser Kundenorientierung kann auch die Immobilienbranche die Herausforderungen meistern und so langfristig von der Beschleunigung der digitalen Transformation durch die Corona-Krise profitieren.

über den Autor:


Dr. Josef Vollmayr ist Co-Founder und Geschäftsführer Limehome