Freitag, den 20. Okt 2017

Boehringer Ingelheim startet Pilotprojekt um Energiekosten und CO2-Ausstoß zu reduzieren

Die Abteilung Ingenieurstechnik von Boehringer Ingelheim plant, den Energiebedarf sowie den CO2-Ausstoß am Standort Ingelheim bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken. Dazu greift das Unternehmen auf das EMS-Programm (Energie Management Solution) von Sauter zurück. Die Software visualisiert die Energieströme und zeigt auf, wo der Verbrauch am größten ist. Beim Pilotprojekt in Ingelheim wurden 120 Zählwerte und diverse Temperatur- und Feuchtewerten bis hin zu Luftvolumenströmen aus einem Pool von 5.000 Datenpunkten ausgewertet. Dadurch konnte ermittelt werden, dass ein Großteil des Energiebedarfs zur Luftaufbereitung in den Laboren anfällt und damit die Einsparmöglichkeiten in diesem Bereich am größten sind. Die Auswertung der Daten lieferte jedoch auch überraschende Ergebnisse: Beispielsweise zeigte sich, dass durch das Nutzerverhalten ein weitaus größeres Einsparpotential realisierbar ist als zu erwarten war. Als Konsequenz wurde ein Einsparprojekt ins Leben gerufen, wodurch das Unternehmen seinen ehrgeizigen Zielen bereits ein ganzes Stück näher gekommen ist.

Den Energieverbrauch pro Raum zu ermitteln ist heute eine einfache Sache, den Bedarf an Energie pro geförderten Kubikmeter Luft darzustellen, ist hingegen eine Herausforderung, die nur mittels optimaler Softwarelösungen möglich ist. Die EMS-Software von Sauter erfasst dafür zunächst die Energiemengen pro Lüftungsanlage und berechnet die Energiekosten pro Kubikmeter transportierter Luft. Dank Volumenstrommessungen an jeder Verbraucherstelle ist bekannt, wie viel Luft pro Stunde in jeden einzelnen Raum eingeblasen wird. Auf dieser Basis lassen sich die Energiekosten pro Nutzer beziehungsweise pro Raum berechnen und nach dem Verursacherprinzip darstellen.

Bis 1998 waren die Laborräume bei Boehringer Ingelheim dezentral geregelt. Mittels eines Gebäudemanagement-Systems wurde dann erstmals eine übergeordnete Gebäudeleittechnik eingeführt. Das System war zunächst jedoch einzig auf Funktionalität und eine zentrale Bedienbarkeit ausgelegt, Energieeinsparungen standen noch nicht im Fokus. Ab 2007 nutzte man schließlich die Möglichkeit, durch die Gebäudeautomation von Sauter Einsparpotentiale aufzudecken und den Energieverbrauch zu optimieren: So wurden über die Jahre Datenpunkte gesammelt, auf deren Basis beispielsweise Temperatur- und Feuchtewerte sowie Luftvolumenströme ausgewertet werden konnten. Damit war die Voraussetzung für die Installation eines Energie-Management-Systems geschaffen.

Für die Analyse wurden unter anderem die Werte von Temperatur-, Druck- und Feuchtesensoren mit der Gebäudeleittechnik visualisiert und problemlos an EMS übermittelt. Als Vorteil hat sich zudem erwiesen, dass durch die Installation der Gebäude- und Laborautomation eine hohe Automationsdichte an Mess- und Regelanlagen bestand, sodass etwa zwei Drittel aller neu einzurichtenden Zähler als virtuelle Version ausgeführt werden konnten, was die Investitionskosten deutlich verringerte.

Benchmarks selber festlegen und via Diagrammen kontrollieren
Mit der EMS-Software stellt das Unternehmen ein Werkzeug zur Verfügung, dass Energieflüsse und -verbräuche transparent macht. Danach ist es dem Auftraggeber überlassen, wie und wo er den Energieverbrauch minimiert. Außerdem ermöglichen es die Tools dem versierten Anlagenbetreuer, beliebige Werte und zahlreiche Funktionen durch den Nutzer nachzuprogrammieren. So wurde bei Boehringer Ingelheim beispielsweise festgelegt, die Energie pro Kubikmeter zu visualisieren, genauso kann der Bedarf für Räume, Abteilungen und Gebäude angezeigt werden. Die Zählerstände können zu täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Verbrauchswerten aggregiert werden. Über schematische Darstellungen lassen sich die Daten vergleichen und Schwachpunkte genau identifizieren. Ferner können zusätzliche Grenzwerte parametriert werden, um neue Vergleiche zu ermöglichen. So lassen sich auch Benchmarks festsetzen, anhand derer der Verlauf beziehungsweise der Fortschritt der Energieoptimierung bewertet werden kann.

Dadurch besteht zudem die Möglichkeit, eine Kontrollfunktion einzurichten. Damit ist ebenso eine energetische Überwachung von Systemen und deren Wirkungsgrad möglich, denn wenn der Energieverbrauch an einer Anlage drastisch abfällt oder konstant niedrig ist, kann das ein Anzeichen für Funktionsstörungen sein.

 

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